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last update 24.01.2017

ALPEN CROSS

 von Andreas, Jens und Juergen

 1. Etappe: Garmisch - Imst, Mo. 06.06.11

8:30 Uhr Ufö, endlich geht´s los!

Lockerer Aufgalopp durch den Englischen Garten. Es taucht die Frage auf, ob wir eigentlich die Woche nicht hier verbringen könnten – Idee wird aber mangels Übernachtungsmöglichkeiten verworfen.

09:30 Uhr, Abfahrt Hbf, die Anspannung steigt. Pünktlich um 11:00 Uhr steigen wir aus dem Zug und Hr. Holstein bekommt nützliche Pinkeltipps von netten Einheimischen.

Nun, immer begleitet vom grandiosen Zugspitzpanorama, Richtung Grainau.

Dann noch mal kollektiver Angstbiesler vorm ersten Anstieg zum Eibsee. Spätestens jetzt wissen wir, was uns die nächsten Tage erwartet. Der zweite Uphill führt uns zur Hochthörlehütte, alles läuft prima, Mensch und Maschine eine Einheit.

Geschafft! Erstes Weißbier (natürlich alkfrei…) auf 1479 m.

 

Beste Aussichten

Nach der Mittagspause ein geiler Asphalt-Downhill (Andreas macht 70 km/h in der Spitze, Jens und ich lassen es bei gut 60 in der Stunde gut sein).

Kurz hinter Ehrwald – sind nun schon im Ösiland – wird Bekanntschaft mit ein paar Rindviechern gemacht und es gibt die ersten Verdauungsprobleme in der Gruppe. Ist wohl auf die Unmenge von Röstzwiebeln zurückzuführen, die die Wirtin in bester Absicht über die Kässpatzn gehäuft hat.

Das GPS hat uns nun auch noch im Stich gelassen und wir biegen auf die Fernpassbundesstrasse ab, die leider keinen Radweg aufweist und die Brummis gefährlich nah an uns vorbeiziehen lässt. Kaffeepause!

Als Entschädigung gibt’s einen tollen Blick hinunter zum Blindsee und auf das Zugspitzmassiv – Wahnsinn, sind wir schon weit gefahren…!

Der Nacken meldet sich erstmals mit einem dezenten aber anhaltendem Stechen.

7 kg Gepäck sind halt kein Pappenstiel.

Es folgt der im Roadbook versprochene „flowige“ Trail, auf dem wir ein junges Biker- Pärchen treffen, die dieselbe Strecke wie wir vor uns haben. Müssen sogar noch Pannenhilfe leisten und können dabei auch endlich mal das Panorama geniessen.

 

 

…immer nah am Abgrund

Noch gut 20 km bis zum ersten Etappenziel. Fängt leicht zu nieseln an, egal, Regenklamotten bleiben im Rucksack. Ein flacher Radweg runter nach Imst, nach zweimaligem Nachfragen ist auch schon das Hotel gefunden. Tolle Hütte für den Preis, kann man nicht meckern. Jens hat das Einzelzimmer gelost, ich teil mir mit Andreas das Doppelbett. Egal, Hauptsache er schnarcht nicht oder macht anderweitige Geräusche. 1. Tag geschafft, alles nach Plan, so kanns weitergehen!

 

2. Etappe: Imst - Nauders, Di. 07.06.11

 

9:00 Uhr: Nach einem leckeren Frühstück inmitten holländischer Reisegruppen geht’s pünktlich (!) aufs Bike und erst mal ganz locker den Inn entlang.

Noch sind sie fröhlich

Die Sonne lacht und alles könnte prima sein, hätte sich nicht schon wieder unser Navi verabschiedet. Uns entgeht ein richtig knackiger Anstieg, aber egal, umgedreht wird nicht, wir haben ja schließlich noch einiges vor uns.

Unsere Bekanntschaften vom Vortag haben wir noch nicht getroffen, kann ja noch kommen.

Mittagspause im Gasthof „Wilder Mann“ – wenn das kein gutes Zeichen ist. Eine ausgesprochen nette Bedienung bringt alkoholfreies Weißbier für alle. Prost auf die letzten 25 km des Tages!

Kaum wieder auf dem Rad, rächt sich erneut die üppige Nahrungsaufnahme:

Schwere Beine, kurzer Atem, Völlegefühl und ein Rumoren im Verdauungstrakt, diesmal bei allen dreien…

Nun weiter das reizvolle Inntal entlang, sogar ein kurzer Abstecher in die Schweiz (!) ist drin. Vier-Länder-Tour in fünf Tagen, wie geil ist das denn!

Keine Zwischenfälle an der Grenze

Die letzte Pause vor dem Anstieg des Tages machen wir am Fuß der Norbertshöhe. 11 Kehren auf der Passstraße führen uns 400hm nach oben, Durchhalteparolen und Motivationssprüche sollen uns beflügeln, das Wetter bewirkt wieder mal das Gegenteil . Egal, Regenklamotten bleiben diesmal im Rucksack.

Die Hinterteile schmerzen ohne Ende, nützt aber nix, tapfer kämpft sich jeder in seinem Tempo dem Scheitelpunkt entgegen.

Geschafft, jetzt geht’s abwärts dem kleinen Ort entgegen. Temperatursturz und Dauerregen – was haben wir eigentlich verbrochen?!?

Das Gästehaus ist rasch gefunden, schlicht, sauber, billig, passt! Heute dürfen Andreas und Jens miteinander kuscheln. Ich freu mich auf ein Einzelzimmer und bekomm eine karge Zelle ohne Fernseher zugeteilt. Was solls, gibt’s am Abend ein paar Bier mehr, dann klappts auch mit dem schlafen.

Apropos Bier: Jens kaut zu später Stunde auf seiner letzten Halbe herum, kriegt sie aber beim besten Willen nicht mehr runter und entsorgt den Rest ganz pragmatisch im Pott mit Plastik(!)blumen…wird Zeit ins Bett zu gehen.

 

3. Etappe: Nauders - Meran, Mi. 08.06.11

 

9:00 Uhr Start, der Wettergott meints nicht gut mit uns, dicke Wolken, Regen, Temperaturen wie im Herbst. Egal, nützt ja eh nix, können die Gore-Klamotten mal zeigen ob sie ihr Geld wert sind.

Die Etappe beginnt recht kernig mit der Anfahrt zum Reschenpass, danach können wirs ca. 1200 hm bis Meran ausrollen lassen – wenn das mal nix ist!

Die Regenfälle der letzten Tage haben ihre Spuren hinterlassen

Der Regen lässt langsam nach, im Süden lockt die Sonne, Bella Italia ist nicht mehr fern. Nach der Passhöhe eine supergeile Abfahrt auf einem kurvigem Radweg, Adrenalin pur! Nun immer weiter der Etsch entlang durch endlose Obstplantagen, fast schon a bisserl langweilig, aber wir haben ja noch ein paar km vor uns. Nach der Kaffeepause springt Andreas das Hinterrad aus der Achse (und das bei abgestelltem Bike!), hm komisch, hat da wer rumgemurkst? Nach kurzer Reparatur rauf auf die Sättel, es wird endlich wärmer, vor uns eine tolle hügelige Schotterstrecke mit Wahnsinnsblick auf die Etsch hinunter. Die Mittagspause wird in einer Fischerhütte verbracht, total idyllisch, wir schaufeln rein als ob es kein Morgen gäbe, lecker!

Zur Abwechslung mal wieder in die Regenklamotten geschlüpft, es gießt aus Eimern – 2 km gefahren, Sonne! Was solls, keine Lust mehr aufs umziehen.

Nach einem Waldstück wieder den Fluss entlang, links und rechts Apfelplantagen soweit das Auge reicht, auf den Bergen alte Burgen, nicht die schlechteste Gegend hier.

Das Sitzfleisch meldet sich wieder und das wird bis zum Gardasee auch bestimmt nicht besser, nur gut das jeder genug Schmiermittel dabei hat…

Nach knapp 90 km liegt uns Meran zu Füßen. Eine freundliche Tankstellenwärterin (heißt das wirklich so?!) weist uns den Weg zur heimeligen Pension. 70er-Jahre-Muff aber sauber und geräumig. Der Fernseher funktioniert nicht, dafür aber der Fön, mit dem, Jens (mein heutiger Zimmergenosse) seine frisch gewaschenen Socken trocknet.

So, und jetzt erst mal die City unsicher machen und die erste Pizza der Woche verputzen.

Die Helden sind müde aber glücklich

 

4. Etappe: Meran - Cles, Do. 09.06.11

 

Pünktlich um 8:00 Uhr am Frühstückstisch: Jeder hat ein wenig die Hosen voll, keiner wills zugeben, heute steht die Königsetappe auf dem Programm!

Der Weg zum Aufstieg auf den Gampenpass ist gleich gefunden, erst ein wenig später stellt sich heraus, das es wohl der falsche war. Geschätzte 20 % Steigung auf den ersten 200 m – krass! Nach der ersten Biegung werden schon fleißig Energy-Gels gezuzelt, helfen tuts nur bedingt was.

Dann wieder heftige Irritationen in der Gruppe, wo denn nun die richtige Strecke nach oben führt – Andreas genervt, Jürgen demotiviert, Jens schuld (stimmt so nicht ganz, hat aber jemand ins Notizbuch geschrieben…).

Was noch vor uns liegt, toppt alles bis jetzt erlebte: gut 1200 hm am Stück, ohne Erholungspassagen, stur bergauf, das ist kein Spaß, das war so nicht geplant!!!

Nach 4 Std. 15 min. (!) ist der Gampenpass erreicht, wir habens fast nicht mehr geglaubt oben anzukommen.

Endlich Pause und Futter

Klamotten werden getrocknet, die Kohlehydratspeicher aufgefüllt (bei mir natürlich auch die Nikotinspeicher…).

Im festen Glauben ab jetzt nur noch abwärts rollen zu müssen, schwingen wir uns nach einer Stunde in die Sättel und rollen begleitet von schwarzen Wolken den Pass hinunter.

Regenschauer und Sonne im Wechsel – mal ganz was Neues! Ein Schild zeigt uns den Weg nach Cles, noch 15 km.

Laut Roadbook sind wir mal wieder auf der falschen Fährte unterwegs, aber wegen Konditions- und Motivationsproblemen bleiben wir auf der Straße und halten uns streng an die Hinweisschilder, bloß keinen km zu viel radeln!

Nun, 3 km vor unserem Etappenziel taucht ein ganz neues Problem auf: Andreas hat massive Probleme mit der Höhe, kann auf abschüssigen Passstrassen nicht nach unten schauen. Und grade jetzt steht uns eine Brückenfahrt über einen Stausee mit grandioser Aussicht in die Tiefe bevor.

Augen zu und durch, tapfer kämpft er sich nach unten, Brücke geschafft und gleich rein in den Tunnel, der kleine Ort ist zum Greifen nah.

Über diese Brücke musst Du gehen…

18.00 Uhr Check in im Hotel „Punto Verde“.

Das Hotel hat Stil (findet Andreas), die Einrichtung ist geschmacklos (findet Jens).

Ich finde keinen Duschvorhang und setz das Bad unter Wasser.

Wird langsam Zeit, dass der Gardasee kommt!

 

5. Etappe: Cles - Riva, Fr. 10.06.11

 

Auf zum letzten Ritt. Ein letztes Mal quälen, ein letztes Mal Schmerzen am Hinterteil, der Gardesee nicht mehr weit - was für Aussichten!

Die Etappe führt uns zunächst durch kleine Käffer und große Obstplantagen, kurvig, bergauf, bergab. Das Problem mit der Orientierung zieht sich wie ein roter Faden durch die Woche - das müssen wir beim nächsten Mal in den Griff bekommen. Wir strampeln durch ein einsames Waldstück - 2 Std. keine Menschenseele, dafür ein Hinweisschild auf freilaufende Bären(!), angeblich hat von hier aus Bruno nach Bayern rübergemacht.

Hin und wieder wird geschoben, es ist aber teilweise auch abartig steil und der Schotter extrem grob.

Da fahr i ned nauf! Kein Gammelfleisch, sondern hochwertige Kohlenhydrate…

Die Mägen knurren und wir beschließen in einem Ort mit dem schönen Namen Andalo Pause zu machen. Ein bizarres Geisterstädtchen erwartet uns – nigelnagelneue Hotelburgen, eine Herberge nach der anderen, alles vom Feinsten, aber völlig unbewohnt! Auch auf den Straßen keine Menschenseele! Wir finden nach längerem Suchen die wahrscheinlich einzige Pizzeria am Ort die geöffnet hat. Erstmal frische (besser gesagt nicht ganz so schmuddelige) Klamotten aufm Klo überstreifen und Essen bestellen.

Kurz nach der Weiterfahrt klärt sich auch das Mysterium mit den unzähligen leer stehenden Hotels: Andalo ist Trainingsstützpunkt des US-Ski-Teams – und die Amis kommen natürlich erst im Winter…

Das Ziel rückt näher, die letzten 20 km der Tour vor uns.

Ein sagenhafter Blick auf die Brenta entschädigt für fast alle Strapazen der letzten Tage. Fast demütig wird man bei diesem Anblick, wie groß und gewaltig und erhaben die Natur doch ist!

In echt viel beeindruckender als auf dem Foto (nicht Jens, sondern das Panorama).

Eine klasse Abfahrt führt uns hinunter ins Tal, man kann den See jetzt schon riechen.

Jens hat ein mentales Tief und will partout nicht aus den Regenklamotten steigen - bei 25° C und Sonnenschein! Hilft nix, er wird schon wissen was er tut. Ich versuch unsere Wirtin in Riva zu erreichen, da wir zeitlich schon wieder ziemlich in Verzug sind. Vor 19.00 Uhr wird das nichts mit der Ankunft.

Dann die Überraschung des Tages: Das Pärchen, das wir am ersten Tag der Tour getroffen haben, steht kurz vor Riva an der Ampel! Die Welt ist doch sehr klein.

Die Beiden begleiten uns auf den letzten Kilometern unserem Ziel entgegen. Die Sonne lacht, die Landschaft ist unglaublich schön, die Glückshormone verdrängen die Schmerzen in den Beinen.

Wir habens wirklich geschafft, nach 5 Tagen, 380 Kilometern und 6600 Höhenmetern sind wir am Ziel - was für ein Wahnsinnserlebnis…

Andreas

Jens

Jürgen

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